KI-Strategieberatung für die Industrie
Produzierendes Gewerbe · Daten und OT

KI-Strategie für produzierende Unternehmen

Pilotprojekte scheitern selten am Modell. Sie scheitern an Daten, die nie aufgezeichnet wurden, an einer Produktion, die nicht angebunden ist, und an der Frage, wer für ein Ergebnis geradesteht. Diese Seite beschreibt, welche Voraussetzungen in einem Werk vorliegen müssen, welche Anwendungen heute tragen und was der EU AI Act für Fertigung und Maschinenbau bedeutet.

Gegenstand
Datengrundlage, Anwendungsfälle, Regulierung
Adressat
Geschäftsführung produzierender Unternehmen
Auf dieser Seite
Datenkette, Reifegrade und Einordnung
01

Ausgangslage

In kaum einem Feld ist der Abstand zwischen Erwartung und Ergebnis so groß wie bei künstlicher Intelligenz in der Produktion.

Der Grund liegt selten in der Technik. Modelle für Bilderkennung, Zeitreihenprognose oder Textverarbeitung sind verfügbar, erprobt und vergleichsweise günstig zu betreiben. Was fehlt, ist regelmäßig die Grundlage: Prozessdaten, die nur im Ringspeicher der Steuerung liegen und nach vierzehn Tagen überschrieben werden. Qualitätsprüfungen, die auf Papier dokumentiert sind. Störungsmeldungen als Freitext ohne einheitliche Klassifizierung. Maschinen, deren Daten technisch abrufbar wären, deren Hersteller den Zugriff aber vertraglich einschränkt.

Hinzu kommt eine Frage, die vor jeder technischen liegt: Wer verantwortet, was ein Modell vorschlägt? Solange darauf keine Antwort existiert, bleibt jede Anwendung im Pilotstatus, weil niemand sie in den Regelbetrieb überführen kann.

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Die Datenkette

Zwischen dem Sensor an der Anlage und einer Entscheidung, die tatsächlich etwas ändert, liegen sechs Stationen. Reißt eine, trägt die gesamte Kette nicht.

Die beiden häufigsten Bruchstellen liegen dabei nicht dort, wo man sie vermutet: nicht beim Modell, sondern zwischen Steuerung und Historisierung – und ganz am Ende, wo ein Ergebnis in den Prozess zurückwirken müsste.

Abb. 01 — Von der Anlage zur Entscheidung Bruchstellen · schematisch
Die Datenkette von der Anlage bis zur Entscheidung Sechs Stationen: Sensorik, Steuerung, Historisierung, Aufbereitung, Modell und Entscheidung, gefolgt von der Rückwirkung in den Prozess. Zwei Bruchstellen sind markiert: zwischen Steuerung und Historisierung werden Daten häufig nicht dauerhaft aufgezeichnet, und am Ende wirkt das Ergebnis oft nicht in den Prozess zurück. Sensorik Anlage Steuerung SPS / Leitsystem Bruchstelle 1 nicht historisiert Historisierung Zeitreihen, Kontext Aufbereitung Labeln, Bereinigen Modell Training, Betrieb Entscheidung im Fachbereich Rückwirkung in den Prozess Bruchstelle 2 — Ergebnis ohne Konsequenz Betriebstechnik Geschäftsentscheidung Sensorik Anlage Steuerung SPS / Leitsystem Bruchstelle 1 — nicht historisiert Historisierung Zeitreihen, Kontext Aufbereitung Labeln, Bereinigen Modell Training, Betrieb Entscheidung im Fachbereich Bruchstelle 2 — ohne Konsequenz Rückwirkung in den Prozess

Die ersten beiden und die letzte Station liegen außerhalb der IT – in der Betriebstechnik und im Fachbereich. Genau dort entscheidet sich, ob eine Anwendung trägt. Die mittleren Stationen sind Handwerk und selten das Problem.

Darstellung: Alexander Maintok
03

Vier Voraussetzungen

Vier Punkte entscheiden darüber, ob ein Vorhaben den Pilotstatus verlässt: die Daten, der Zugang, die Zuständigkeit und die Einordnung.

  1. V — 01

    Datengrundlage

    Ein Modell braucht Historie, und zwar in der Auflösung und über den Zeitraum, in dem das gesuchte Ereignis vorkommt. Für eine Ausfallvorhersage sind das ausreichend viele dokumentierte Ausfälle mit bekanntem Vorlauf – nicht selten der Grund, warum ein Vorhaben zwölf Monate früher hätte beginnen müssen. Aufzeichnung ist deshalb die erste Maßnahme, auch wenn noch kein Anwendungsfall feststeht.

  2. V — 02

    Zugang zur Produktion

    Anlagendaten liegen hinter Steuerungen, Protokollen und häufig hinter Verträgen. Zu klären ist, welche Schnittstellen der Hersteller freigibt, wem die Daten vertraglich gehören und wie eine Verbindung entsteht, die den Produktionsbetrieb nicht gefährdet. Diese Frage ist ebenso vertraglich wie technisch und gehört vor die Auswahl einer Plattform.

  3. V — 03

    Zuständigkeit für das Ergebnis

    Ein Modell schlägt vor, es entscheidet nicht. Wer den Vorschlag annimmt oder verwirft, in welchen Fällen ein Mensch prüfen muss und wie eine Abweichung dokumentiert wird, gehört vor dem ersten Produktivlauf festgelegt. Ohne benannte Zuständigkeit bleibt jede Anwendung Demonstration.

  4. V — 04

    Regulatorische Einordnung

    Der EU AI Act verpflichtet zunächst zu KI-Kompetenz in der Organisation und verbietet einzelne Praktiken. Für Hersteller ist die zweite Ebene relevanter: Wird KI zur Sicherheitskomponente einer Maschine, greifen die Hochrisikopflichten über die Produktsicherheitsvorschriften – mit Konsequenzen für Konformitätsbewertung und technische Dokumentation. Anwendungen in Instandhaltung, Qualitätsprüfung oder Planung fallen regelmäßig nicht darunter. Die Einordnung gehört an den Anfang, weil sie über den Aufwand entscheidet.

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Anwendungsfälle nach Reifegrad

Nicht jede Anwendung ist gleich weit. Die folgende Einordnung beschreibt, was in produzierenden Unternehmen heute belastbar läuft – und was Vorlauf braucht.

Tab. 01 — Reifegrade Einschätzung
AnwendungReifegradVoraussetzung
Dokumenten- und Wissenssucheproduktivgeordnete Ablage, Rechtekonzept
Optische QualitätsprüfungproduktivBildmaterial mit Fehlerbildern
Angebots- und Kalkulationsunterstützungproduktivsaubere Stamm- und Kalkulationsdaten
Absatz- und Bedarfsprognoseproduktivmehrjährige Historie, Sondereffekte markiert
Auswertung von Störungsmeldungentragfähigeinheitliche Erfassung, Klassifizierung
Vorausschauende InstandhaltungfallabhängigSensorhistorie und dokumentierte Ausfälle
Produktionsplanung und Reihenfolgebildungfallabhängigbelastbare Rüst- und Kapazitätsdaten
Regelung von ProzessparameternVorlauf nötigOT-Anbindung, sicherheitstechnische Prüfung

Die Einordnung beschreibt den typischen Fall im Mittelstand, nicht den technischen Stand der Forschung. Entscheidend ist selten, was möglich ist, sondern was mit den vorhandenen Daten trägt.Zusammenstellung: Alexander Maintok, VALLEY IT GROUP

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Vorgehen

Drei Phasen. Die erste endet mit einer Entscheidungsvorlage, nicht mit einem Prototyp.

Bestandsaufnahme. Welche Daten liegen tatsächlich vor – in welcher Auflösung, über welchen Zeitraum, mit welchem Kontext? Parallel die Sichtung möglicher Anwendungsfälle nach Wirkung und Aufwand sowie die regulatorische Einordnung.

Priorisierung und Aufbau. Ein bis zwei Anwendungen werden vertieft, die übrigen dokumentiert und zurückgestellt. Wo die Datengrundlage fehlt, beginnt die Aufzeichnung – unabhängig davon, ob das Modell später gebaut wird.

Überführung. Vom erprobten Fall in den Regelbetrieb: mit benanntem Verantwortlichen, geregelter Prüfung der Ergebnisse und einem Plan für den Fall, dass die Qualität nachlässt.

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Voraussetzungen an das Vorhaben

Eine KI-Strategieberatung lohnt sich, wenn ein konkreter betrieblicher Anlass besteht – wiederkehrende Qualitätsprobleme, ein Engpass in der Instandhaltung, ein Planungsprozess, der an seine Grenzen stößt. Sie lohnt sich nicht als Antwort auf die Frage, was man mit KI denn machen könnte; daraus entsteht eine Liste, die niemand umsetzt.

Ebenso wenig sinnvoll ist der Einstieg, solange grundlegende Zuständigkeiten für Systeme und Daten ungeklärt sind. Ein Modell verschärft diese Lücke, es schließt sie nicht.

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Umsetzung in der Gruppe

Eine KI-Anwendung braucht nach der Strategie einen Betrieb – und der reicht von der Anlagenanbindung bis zum Service Desk.

Die VALLEY IT GROUP ist eine Unternehmensgruppe mit rund 600 Mitarbeitenden in sechs Gesellschaften. Für ein Vorhaben dieser Art heißt das: Beratung und Konzeption, Aufbau und Betrieb der Datenplattform, Netz- und Sicherheitsarchitektur bis in die Produktion sowie Field Service vor Ort. Bei den Channel Excellence Awards 2026 wurde die Gruppe als bester IT-Dienstleister ihrer Umsatzklasse ausgezeichnet.

Das ist weniger eine Frage der Größe als eine der Übergabe: Die Stelle, an der ein erprobter Anwendungsfall in den Regelbetrieb wechselt, ist erfahrungsgemäß die kritischste – und sie entfällt, wenn Beratung und Betrieb aus derselben Gruppe kommen.

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Geschäftsführung

Alexander Maintok, Geschäftsführer der integer GmbH
Alexander MaintokVALLEY IT GROUP

Alexander Maintok

Operatives Geschäft der VALLEY IT GROUP

Alexander Maintok verantwortet das operative Geschäft der Unternehmensgruppe und führt zwei ihrer Gesellschaften als Geschäftsführer. Er kennt beide Seiten des Tisches – die, an der über IT entschieden wird, und die, an der die Entscheidung anschließend zu verantworten ist.

  • VALLEY IT GROUPOperatives Geschäft
  • integer GmbHGeschäftsführer
  • VALLEY IT SERVICES GmbHGeschäftsführer

Erstgespräche führt er persönlich.

Gespräch

Welche Daten liegen in Ihrem Werk bereits vor?

Diese Frage lässt sich in einem ersten Gespräch meist grob beantworten – und sie entscheidet darüber, welche Anwendungen überhaupt in Betracht kommen und welche noch Vorlauf brauchen.